Ökologische Station Mittleres Leinetal 

Naturschutzfachliche Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten


Austauschplattform 

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling


Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) besiedelt extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesen, Feuchtwiesenbrachen und Grabenränder. Er gilt in Deutschland als stark gefährdet (Rote Liste Deutschland, 1998, Kategorie: 2) und in Niedersachsen als vom Erlöschen bedroht (Rote Liste Niedersachsen, 2004, Kategorie: 1).  
Für die Art sind sowohl der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) als auch die Rotgelbe Knotenameise (Myrmica rubra) von zentraler Bedeutung. 

 

Die Blüten des Großen Wiesenknopfs sind die bevorzugte Nektarquelle des Bläulings. In ihnen legt er auch seine Eier ab. Die Blütenköpfchen stellen außerdem die ausschließliche Raupenfutterpflanze der Art dar. Maximal fünf bis sechs Raupen durchlaufen in einem Blütenköpfchen ihre ersten drei Larvalstadien. Sie lassen sich im August und September zu Boden fallen und werden von M. rubra in ihr Nest verschleppt, wo sie den Winter und das Frühjahr überdauern. Während dieser Zeit werden sie von den Ameisen gefüttert und ernähren sich zudem räuberisch von der Ameisenbrut. Anschließend verpuppen sie sich, schlüpfen Anfang bzw. Mitte Juli und verlassen das Ameisennest.

Der Große Wiesenknopf kommt auf magerem Grünland vor. Seine Bestände sind durch Nutzungsaufgabe (mehr als fünf Jahre Brache) und die Zerstörung von Grünlandflächen, beispielsweise durch Umbruch oder Versiegelung, gefährdet.



Die Bestände des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings bestehen aus mehreren Metapopulationen und weisen eine hohe Populationsdynamik auf, wobei es immer wieder zum Aussterben von Teilpopulationen und zur Wiederbesiedelung von Arealen kommt. Die Tiere sind standorttreu und überbrücken im Mittel nur Distanzen von 1-3 km.

Seit den 1960er Jahren hat die Intensivierung und Nivellierung der Feuchtwiesennutzung, sowie der zunehmende Flächenverbrauch zu gravierenden, bis heute ungebremsten Lebensraumverlusten für diese hochspezialisierte Art geführt. Heute sind viele Vorkommen durch eine Intensivierung der Grünlandnutzung und die damit einhergehende Entwässerung, verstärkte Düngung, regelmäßige Mahd und den Einsatz schwerer Mähmaschinen (Bodenverdichtung) bedroht.

In der Bruchriedeniederung bei Laatzen-Oesselse besteht derzeit das letzte Vorkommen im nordwestdeutschen Tiefland. Verschiedene Wegraine und Gräben wurden als FFH-Gebiet gemeldet, das Vorkommen beschränkt sich noch auf einen etwa 50 Meter langen Wegstreifen. 2015 wurden hier unter zehn Exemplare nachgewiesen, 2016 konnten 18 Falter gezählt werden. Der Erhaltungszustand ist damit als ungünstig zu bewerten und ein Aussterben stets möglich.

Bislang fanden viele Bemühungen unterschiedlicher Gruppen statt (z. B. Wiesenknopf-Anzucht und Auspflanzung sowie Aussaat-Versuche im Gelände durch den BUND Region Hannover, Gutachten und Pflegepläne des Lepidopteren-Spezialisten Dr. Ulrich Lobenstein, Engagement des UHV Mittlere Leine, der Naturschutzbeauftragten und einzelner Landwirte). 

Um die Kommunikation zwischen den einzelnen Gruppen zu verbessern, fanden bereits mehrere Naturschutzfachgespräche und Veranstaltungen mit und für Landwirte statt.


Dieses Projekt wird durch das Land Niedersachsen finanziert.