Ökologische Station Mittleres Leinetal 

Dienstleistungen rund um die Natur

 

Erarbeitung einer Gefährdungsanalyse für den Fischotter (Lutra lutra) im FFH-Gebiet 344 „Leineaue zwischen Hannover und Ruthe“


Bestand und Gefährdung in Niedersachsen

 

In Niedersachsen wird der Bestand mit 400 bis 600 Tieren angegeben. Der Erhaltungszustand der Art wird im Nordosten als günstig, im westlichen und südlichen Niedersachsen hingegen als ungünstig eingestuft. Fischotter werden als Art der FFH-Richtlinie Anhang IV in der Roten Liste Deutschland (2006) als „vom Aussterben bedroht“ aufgeführt, jedoch würden sie nach neueren Erkenntnissen als „gefährdet“ eingestuft. Bedeutende anthropogene Gefährdungen sind heute neben dem Verlust von Lebensräumen vor allem die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen sowie der damit einhergehende Verkehrstod.
Dies resultiert aus dem Verhalten der Fischotter, welche unter Kreuzungsbauwerken nur trockene Passagen wie Bermen oder Steinaufschüttungen im Randbereich nutzen. Durchlässe und Bauwerke, die nur schwimmend passierbar sind, werden in der Regel nicht angenommen. Dies gilt insbesondere für Rohrdurchlässe, welche daher als fischotterfreundliche Gewässerunterführung ungeeignet sind. In solchen Fällen verlassen die Tiere das Gewässer und überqueren die darüber liegenden Verkehrswege. Zur Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands der Art und ihrer Lebensräume innerhalb des Verbreitungsgebiets sind daher ein naturverträglicher Gewässerausbau bzw. -unterhaltung entscheidend.

 

 

Das Projekt

Ziel dieses Projektes war es, für das FFH-Gebiet 344 „Leineaue zwischen Hannover und Ruthe“ sowie angrenzende Bereiche in der südlichen Region Hannover eine Gefährdungsanalyse zu erarbeiten. Grundlage dieser Analyse bilden Verbreitungsdaten der Aktion Fischotterschutz sowie des landesweiten FFH-Monitorings, bereitgestellt durch den NLWKN. Ergänzend dazu erfolgte eine Aktualisierung dieser Daten mithilfe eigener Aufnahmen (Kartierung von Trittsiegeln und Kot sowie Installation von Wildkameras).
Zudem wurden die Kreuzungsbauwerke im Untersuchungsgebiet hinsichtlich ihrer gefahrenlosen Passierbarkeit für Fischotter dokumentiert und bewertet. Ebenso wurde das Gefahrenpotential durch Straßen- sowie Bahnverkehr an diesen Stellen erfasst. Die Zusammenstellung der Faktoren ermöglicht eine abschließende Aussage über sinnvolle bauliche Verbesserungsmöglichkeiten.


 

Abb. 1: Fischotter benötigen zur gefahrenlosen Unterquerung eines Kreuzungsbauwerks Konstruktionen wie Steinaufschüttungen, die es ihnen ermöglichen ein Unterschwimmen der Brücke zu vermeiden. Foto: C. Grönemann 2017.


Ergebnisse

Die Gefährdungsanalyse hatte zum Ergebnis, dass mit 18 von 20 Brücken ein Großteil fischottergerecht konstruiert ist. Hier ist das Passieren für den Fischotter ohne Gefahr möglich, da ein Aussteigen aus dem Gewässer und ein Überqueren der Verkehrswege nicht nötig ist. Zwei Brücken waren konstruktionsbedingt nicht passierbar. Hier gilt, dass nur an regelmäßig befahrenen Straßen bauliche Maßnahmen zur Vermeidung verkehrsbedingter Tierverluste erforderlich sind. Daher sind an dieser Stelle keine Maßnahmen zur Verbesserung nötig.

Obwohl einige Trittsiegel gefunden wurden, die möglicherweise vom Fischotter stammen, konnten durch die an den entsprechenden Brücken installierten Wildkameras kein Bildnachweis erfolgen.


Abb. 2: Unter verschiedenen Brücken im FFH-Gebiet wurden Trittsiegel gefunden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von Fischottern stammen. An diesen Brücken wurden Wildkameras installiert. Foto: C. Grönemann 2017.


Eine Besiedelung der Leine wäre für die Vernetzung der niedersächsischen Vorkommen v. a. mit der südlichsten Population im Landkreis Northeim Nähe Salzderhelden und Hardegsen wichtig. Für den langfristigen Fortbestand der Art in Niedersachsen ist insbesondere die Wiederbesiedelung im ehemaligen Bezirk Hannover innerhalb sowie außerhalb von FFH-Gebieten erforderlich. Aus welchen Gründen sich Fischotter bislang noch nicht in der Leineaue der Region Hannover dauerhaft angesiedelt haben, ist bislang nicht untersucht worden. Hier wären weitergehende Analysen sinnvoll.


Wildkameraaufnahmen von im Gebiet heimischen Tierarten im Rahmen des Fischotter-Monitorings. Fotos: C. Grönemann 2017. 


Literatur

Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung (MIR) (2008): Planung von Maßnahmen zum Schutz des Fischotters und Bibers an Straßen im Land Brandenburg.

Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (2016): Aktionsprogramm Niedersächsische Gewässerlandschaften.

Niedersächsische Landesbehörde für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (2011): Vollzugshinweise zum Schutz von Säugetierarten in Niedersachsen: Fischotter (Lutra lutra).



Dieses Projekt wurde durch das Land Niedersachsen finanziert.